Als A-Hörnchen einsam wurde… | Opel GT

Veröffentlicht: Juli 20, 2008 in cars
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Opel versucht gerade kräftig, sein arg ramponiertes Image wieder herzustellen. Viele teils sehr aufwändige Umstrukturierungen waren nötig, um diesen Weg zu ebnen. Mittlerweile gilt Opel wieder als sehr zuverlässig und glänzt mit dem derzeit modernsten Werk in Europa. Der Blick auf den Insignia beweist: Opel kämpft wie ein Löwe, um seinen guten Ruf wieder auf Vordermann zu bringen.

Was macht also ein Hersteller wie Opel, um sich von anderen abzuheben? Er bringt den Opel GT auf den Markt. Mit Erfolg: Prompt wurde der GT zum Cabrio des Jahres 2007 gekürt. Allerdings ist der GT kein richtiger Opel, sondern ein General-Motors Gemeinschaftsprojekt. Er wird zusammen mit seinen erfolgreichen Brüdern Pontiac Solstice und Saturn Sky auf der GM Kappa-Plattform in Wilmington, Delaware produziert. Ein echter Ami also. Doch kann der Pontiac …sorry…Opel GT auch mehr als nur schick aussehen? Die Antwort lautet: Jein…

Das Design – ein Genuss

Sein markantes Design lässt das Herz vieler Fans von schönen Automobilen höher schlagen. Der Opel GT erinnert in seiner Form an die Corvette und ist zeitgleich eine Hommage an den UR GT, der von 1968 – 1973 gefertigt wurde. Die klassische Roadster-Siluette mit der langgezogenen Motorhaube und kurzem Heck ist ein wahrer Genuss. Im Gegensatz zu den meisten – durch Fußgängerschutz-Auflagen geplagten – Neufahrzeugen, ist hier noch eine echte maskuline Front aus Fahrersicht zu erkennen. Die Front grinst dem Betrachter verschmitzt entgegen. Die Kotflügel sind herrlich dekadent geformt, die Lufteinlässe simulieren den Turbo Frischluft Einzug.

Und das Heck- welch ein Genuss. Die doppelflutige Auspuffanlage endet mit zwei leckeren Endrohren. Hinter den Kopfstützen präsentieren sich zwei Hutzen – eine Hommage an die alte Roadster- und Rennsportgeschichte. Die Klarglasrückleuchten sitzen wie maßgeschneidert an diesen Knackarsch. So muss ein Roadster aussehen. Einziges Manko: Die 18 Zoll Alus sind durch die dicken Gummis recht Bordsteinkanten freundlich. Das könnte noch mal ein wenig optimiert werden. Lieber kratzen und tot ärgern über die eigene Dummheit als zuviel Gummi.

Das Interieur – die Kunst des Weglassens.

Das Interieur besticht durch Purismus. Eine alte Roadster-Tugend. Ganz so nostalgisch hätte es dann aber doch nicht zu sein brauchen. Ablageflächen sucht man ohne Erfolg. Dem Mini-Handschuhfach folgt ein ebenso winziges Ablagefach hinter der Mittelkonsole. Ärgerlich ist auch die Position der Handbremse und der Fensterheber. Beides ist ohne Verrenkungen nicht erreichbar.

Positiv zu bewerten ist allerdings der Schalthebel. Er liegt perfekt in der Hand. Eine Fünfgangschaltung gehört allerdings nicht mehr in einen modernen Sportwagen. Ein Navi oder eine Sitzheizung sucht man auch in der Aufpreisliste vergeblich. Die Displays sind bei Sonnenlichteinfall schwer abzulesen.

Der Kofferraum: Ja wo isser denn?

Die Suche nach einem Kofferraum bei geöffnetem Verdeck endet leider erfolglos. Kaum mehr als ein Foto-Stativ findet hier Platz. Mit geschlossenem Verdeck schlängelt sich sowas ähnliches wie ein Kofferraum um den mittig hervorstehenden Tank. Ebenso lässt sich das Verdeck nur sehr umständlich und zeitintensiv bedienen. Dass es manuell allerdings doch schnell und einfach gehen kann, beweist Mazda schon seit vielen Jahren mit dem MX-5. Immerhin gibt es eine beheizbare Vollglasscheibe zum Soft-Top. Kleiner Tipp für die Spaßvögel unter den Männern: Lassen Sie mal Ihre Freundin das Verdeck ohne fremde Hilfe
schließen.

Was Kofferraumvolumen und Cockpit-Haptik noch in den Bereich „puristischer Roadster der alten Garde“ hingezogen hat, hört leider bei den Ledersitzen auf. Hier merkt man wieder den amerikanischen General Motors Geist. Während das Gesäß gepolstert jede noch so unebene Langstrecke ohne zu murren übersteht, muss der Rücken bei jedem kleinen Hügel leiden. Wer zum Teufel hat sich diese Sitze ausgedacht? Zudem verschwinden die Gurte immer gerne hinter den Sitzen in einer „fingerbrechartigen“ Lücke. Opel – bitte nachbessern. Entweder richtig puristisch oder Cruiser gemütlich.

Der Antrieb – Turbo Power ohne Sound

Im Herzen des Opel GT schlummert ein 2.0 Liter Reihen-Vier-Zylinder-Turbo mit 264 Pferden, die kein Problem mit den 1,4 Tonnen Leergewicht haben. Respektabel ist auch die Literleistung. Pro Liter Hubraum werkeln hier 132 PS. Der Sound erweist sich gelinde gesagt als äußert mau und nicht Roadster würdig. Ein schöner V6 aus dem GM Regal würde hier Wunder bewirken. Der Motor sitzt knapp hinter der Frontachse und ermöglicht dadurch eine ausgewogene Gewichtsverteilung.

Die „Tempo-Einhundert-Marke“ wird in äußerst lässigen 5,7 Sekunden erreicht. Dabei drückt der Turbo respektable 353 NM Drehmoment auf die Hinterräder. Auf der Autobahn überrascht der gelbe Wirbelwind mit ungewöhnlich viel V-Max. Während auf dem Papier bei 230 Schluss ist, kämpft sich der gelbe Blitz laut GPS auf äußerst potente 248 km/h hoch.

Das Verdeck flattert allerdings schon bei 210 so nervtötend, dass man freiwillig wieder vom Gas geht. Macht nichts, die Landstraßen sind eh spaßiger. Mit diesen Fahrwerten heißt die Konkurrenz BMW Z4, Honda S2000 und Porsche Boxster. Respekt.

Um die Leistung des bissigen Roadsters auch als Nichtrennfahrer unter Kontrolle bringen zu können, wartet Opel mit einem in drei Stufen abschaltbaren ESP-Programm auf. Im komplett deaktiverten Modus fängt der Spaß auf den Straßen erst richtig an. Der Turbo lässt mit einem geübten Gasschubfuß kontrollierte Drifts zu und bei prompter Gasabnahme können Gefahrensituationen schnell wieder korrigiert werden. Aber auch hier gibt es Grenzen – bei Regen sollte die Elektronik immer aktiviert bleiben.

Die Begegnung mit Ä-Hörnchen

Doch dann kam der Tag an dem A-Hörnchen einsam wurde. Minden – kurz nach Mitternacht. Lässig fahre ich dem Wesergebirge entgegen. Plötzlich taucht ein kleiner Schatten im Lichtkegel der Scheinwerfer auf. A-Hörnchen ist am Start. Es dreht sich kurz zum Auto – richtet den Blick Richtung Bürgersteig und rennt was das Zeug hält… Geschafft! Doch auf einmal kommt der Loser des Abends noch mit auf den Asphalt: B-Hörnchen.

Mit einem beherzten Lenkmanöver versuche ich noch das Beste, um es vor dem „Gummi-Tod“ zu bewahren. Doch B-Hörnchen erweist sich als äußert „unclever“ und läuft genau in diese Richtung zurück. Dummes Vieh – gute Federung. Blutverschmiert und voller Kampfeslust zieht der GT in Richtung Wesergebirge weiter. So meine liebe Ami-Schleuder, zeig’ mal was Du so drauf hast.

Das Handling: Zum Kurvenräübern geschaffen

Mit Vollgas geht es in eine kurvige Gebirgspassage. Den richtigen Bremspunkt vor jeder Kurve zu finden ist Gewöhnungssache. Die Bremsen packen fest zu, jedoch hält sich die Härte im Bremspedal in Grenzen. Der Schalter liegt zwar gut in der Hand, und die Schaltwege sind kurz, allerdings braucht es auch Kraft um die Gänge reinzuballern. Leide Baby, leide!

Aber wenn der Gang jedoch einmal sitzt, dann haut der GT sein Drehmoment mit voller Wucht in den Asphalt. Das Hinterachs-Sperrdifferenzial hat jetzt richtig zu tun. So muss das sein. Eine Torsionsstütze unterdrückt allzu heftige Lastwechsel-Reaktionen Das Lenkrad erscheint bei engen Kurven ein klein wenig zu groß, ein echter Ami fährt halt am liebsten nur geradeaus. Dennoch – die Kurven meistert der GT mit viel Selbstbewusstsein und Speed. Ein zu frühes und hektisches Herausbeschleunigen sollte aber auch bei diesem vergleichsweise eher sanften Turbo vermieden werden.

Fazit: Roadster mit Leinenzwang

Der Opel GT ist ein Roadster mit Leinenzwang. Denn sowohl der durchzugsstarke Motor als auch das Außendesign machen ihn zu einer rassigen Alternative auf dem Roadster-Markt. Der GT punktet durch seinen Verzicht auf zuviel Luxus und lenkt den Fokus des Fahrers auf das, wofür er gebaut wurde: Aufs Kurvenräubern und Cruisen. Zudem sind 32.180 Euro für einen Roadster in dieser PS-Klasse wahrhaft ein Schnäppchen. Meine Bitte an Opel: Haut das Ding auf den Ring und macht den Kleinen höllentauglich. Dann klappt es auch mit dem A-Hörnchen.

Text+Fotos: Mario-Roman Lambrecht

Fahrdaten Opel GT

Antrieb: Heckantrieb
Hubraum: 1.998 cm³
Zylinderzahl: 4
Leistung: 194 kw (264 PS) bei 5.300 U/min
Drehmoment: 353 Nm bei 2.000-5.200 U/min
Vmax: 229 km/H
Beschleunigung 0- 100 km/h in 5,7 s
Leergewicht: 1.406 kgCo2
Emission g/km: 218 g
Durchschnittsverbrauch: 9,2 l/100 km
Preis: ab 32.180,00 EUR inkl. MwSt.

Kommentare
  1. ralf ziegelstein sagt:

    auch ne geile seite Sportauspuff

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